26. April 2019

darss

Hafen in Born am Darß
Hafen in Born am Darß

Von einer Halbinsel namens Fischland-Darß-Zingst an der Ostsee habe ich vor dem Sommer 2017 noch nie etwas gehört. Dann aber zogen Freunde von uns dort hin und wir beschlossen, sie zu besuchen. 

 

Die Überraschung: Es ist eine der schönsten Gegenden Deutschlands. Traumhafte Strände, ein krasser Urwald und jede Menge Meer. 

Unser Ziel auf der Halbinsel war ein Ort namens Born am Darß. Born hat ca. Tausend Einwohner und viele schöne Fischerhäuschen mit Reetdächern. Zur Feriensaison ist der Ort angenehm belebt, aber immer noch viel ruhiger als die benachbarten Touristenmagneten Ahrenshoop und Prerow. 

 

Ohne Auto ist man vor Ort ziemlich aufgeschmissen. Für die 727 km lange Fahrt von Frankfurt am Main haben wir uns daher ein Carsharing-Auto ausgeliehen. Man kann Born zwar auch mit Bus und Bahn erreichen, muss dann aber mehrmals umsteigen. Ausserdem ist der CO2-Verbrauch mit einem kleinen, vollbesetzten PKW (mit insgesamt 4 Passagieren) sogar ein bisschen niedriger als mit der Bahn. Hier der CO2-Check:

 

CO2 Check (mit dem WDR CO2-Rechner: https://www1.wdr.de/wissen/technik/co2rechner/

Entfernung Frankfurt – Born am Darß: 727 km

Bahn: 25,4 kg CO2 pro Person

Auto (bei 4 Personen): 25,9 kg CO2 pro Person

Haus am Bodden

Unsere Ferienwohnung mit Boddenblick
Unsere Ferienwohnung mit Boddenblick

Zunächst einmal die wichtigste Information für den Darß: 


Im Sommer herrscht auf dem Darß Moskito-Alarm (Stufe "Rot"). Wir waren darauf aber gut vorbereitet (im Gepäck ein Mosquitonetz und ganz viel Anti-Brumm).

 

Unsere Ferienwohnung war einfach nur toll. Wir hatten alles was wir brauchten und noch viel mehr, nämlich eine große Südterrasse mit Blick auf den „Bodden“ (Küstengewässer, das durch Landzungen abgetrennt ist, so wie eine Lagune). Gefunden habe ich die Wohnung auf der Website des Anbieters „Godewind“. Unsere Wohnung war vom Preis-Leistungsverhältnis sehr gut und die Mitarbeiter von „Godewind“ waren nett und immer problemlos zu erreichen. Sehr zu empfehlen.

Obwohl Born ein kleiner Ort ist, lohnt es sich, dort ein Fahrrad auszuleihen. Die Entfernungen zu Hafen, Supermarkt, Bäckerei etc. sind zu Fuß manchmal doch etwas zu weit. Außerdem ist der Darß perfekt zum Radfahren. Wir haben unsere Fahrräder und einen Kindersitz bei „Neumanns Fahrradshop“ ausgeliehen. Auch hier war der Preis human und der Service unkompliziert. 

Überall Strand

immer am Strand
immer am Strand

Während unseres Aufenthalts hatten wir sehr viel Glück mit dem Wetter. Die Sonne schien durchgehend und es herrschten Strandtemperaturen. Wir verbrachten daher die meiste Zeit am Wasser und unternahmen nur wenige Ausflüge. Es ist übrigens egal zu welchem Strand man geht - keiner von ihnen war überfüllt. Sogar am Strand von Prerow, wo es für Touristen viele Attraktionen gibt (Banana-Boot fahren, Beachvolleyball, Trampolinspringen), hatten alle genug Platz. 

Wegen der Steilküste und der Nähe zu Born bevorzugten wir die langgezogenen Strände von Ahrenshoop. Was ich besonders entspannt fand war, dass es an Stränden im Darß völlig normal ist, dass Nackte neben bekleideten Strandgästen baden. Ein Anblick an den man gar nicht gewohnt ist, denn normalerweise (so kenne ich es zumindest von den Stränden im „Westen“) sind diese beiden Gruppen immer voneinander getrennt.

... auch Nachts / bei Ahrenshoop
... auch Nachts / bei Ahrenshoop

Darßer Wald – Wie im Märchen

 

Mit unseren Fahrrädern sind wir am liebsten durch den riesigen Darßer Urwald gefahren, der unter dem Schutz des Nationalparkes "Vorpommersche Boddenlandschaft" steht.

Der Darßwald ist kein normaler Wald, er ist ein richtiger verwunschener Märchenwald, der urwüchsig belassen wurde. Wir entdeckten viele außergewöhnliche Pflanzen, die auch in einen Jurrasic-Park-Film reinpassen würden. Ich hatte so etwas vorher noch nicht gesehen und war völlig fasziniert. Eine schöne Tour durch den Wald ist zum Beispiel die Strecke von Born bis zum Leuchtturm am Darßer Ort. Das sind hin und zurück ca. 35 km - eine Strecke, die auch für Grundschulkinder gut zu bewältigen ist. Man sollte sich aber Zeit lassen, denn der Wald lädt dazu ein, langsam zu fahren und sich die Umgebung in Ruhe anzuschauen. 

Der Darßer Wald ist perfekt zum Radfahren
Der Darßer Wald ist perfekt zum Radfahren

Treffen sich zwei Mihigrus beim Edeka 

 

Die einzige gewöhnungsbedürftige Situation für mich war, dass ich auf dem Darß in einer Woche nur 2 Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund (ich nenne uns „Mihigrus“) getroffen habe.

In Ahrenshoop kaufte ich eines Tages noch schnell für unser Abendessen im Edeka ein. Dort stand - zu meiner Verwunderung - ein schwarzer Mann in meinem Alter an der langen Joghurttheke. Unsere Blicke kreuzten sich. Der Mann begann zu lächeln. Dann ging er auf mich zu. Er schien sehr glücklich zu sein, endlich einen Menschen zu treffen, der - genau wie er - anders aussah als alle anderen. Für einen Moment dachte ich sogar, er würde mich vor lauter Glück umarmen. Tatsächlich blieb er dann aber doch noch stehen und sagte nur "Hallo!"

 

Ich bin gespannt, ob die Touristen in den nächsten Jahren auf dem Darß diverser werden. Nicht, dass ich irgendeine Art von Diskriminierung dort erfahren hätte. Ganz im Gegenteil: Meine Mitdeutschen waren alle sehr nett und hilfsbereit. Dort hat mich keiner auf Englisch angesprochen, wenn ich in einen Laden ging (anders als in meiner Heimatstadt). Ich fühlte mich zwar immer wie eine richtige Touristin, aber es war trotzdem sehr, sehr schön.

 

 Ich werde bestimmt wieder zurückkommen, an diesen wunderschönen Sehnsuchtsort. 

Leuchtturm am Darsser Ort
Leuchtturm am Darsser Ort