10. April 2019

#FLYGSKAM

"Aber der Flug war so billig!"

Die Schweden wissen am besten, wie sie die Massen begeistern: Abba, Ikea ... und jetzt "Flygskam" (Flugscham). Beim Flygskam entscheiden sich Menschen, wegen ihrer Klimabilanz nicht mehr zu fliegen. Die meisten Wissenschaftler und das Bundesumweltamt sagen seit langem, dass das Fliegen die klimaschädlichste Art ist, sich fortzubewegen. Der größte Umweltzerstörer ist nicht mehr der Konsum, sondern unsere exzessive Mobilität.

 

Was ich aber nicht verstehe ist, warum ausgerechnet viele Wissenschaftler und gebildete Menschen so viel Fliegen müssen. Ich bin seit Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit" immer wieder irritiert, wenn ich ein Buch über den Klimawandel lese und der Autor ständig davon erzählt, zu welchen Experten er nach Alaska oder Timbuktu gereist ist, um sich die Lage vor Ort anzuschauen. Muss das sein? Können die nicht einfach skypen? Oder nehmen wir Papst Franziskus (ja, der mit der Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“!), der von einem Flugzeug aus eine PR-Konferenz startet und seine Sorge über die Umwelt äußert. Hat der keinen PR-Berater?

 

Ich sage nicht, dass man niemals wieder fliegen sollte. Aber wenn es nicht um Leben oder Tod geht, sollte man sich fragen, ob der Flug wirklich sein muss. Das armseligste Argument, das ich ständig höre ist: „Aber der Flug war so billig“. Wenn ich über dieses Thema spreche, gerate ich oft in Streitgespräche in denen man mir dann vorwirft, moralisierend und zu sein. Aber eine Flugreise stellt für mich einfach kein Grundbedürfnis dar. Grundbedürfnisse sind Essen, eine warme Wohnung und Schutz. Keiner ist je verhungert, nur weil er nicht in den Urlaub geflogen ist! 

 

Flugquoten pro Mensch einzuführen finde ich eine ganz gute Lösung. Es gibt dafür bereits einige Ideen. Gerecht wäre jedoch aus meiner Sicht, für jeden Menschen ein CO2-Budget einzurichten. Es gibt schon seit einigen Jahren Überlegungen, eine Art "CO2-Card" zu verteilen. Wer dann z.B. eine Flugreise unternehmen will, kann auf seinem Konto nachschauen, ob er sich den Flug überhaupt leisten kann. Das CO2-Konto kann in diesem Modell mit neuem Guthaben versorgt werden oder Menschen, die ihr CO2 nicht verbraucht haben, können dies an einer Börse verkaufen. Allerdings finde ich, dass man das CO2-Budget nicht mit Geld aufladen können sollte. Besser wäre es, wenn man gemeinnütziges Engagement einbringen müsste. So hätten Menschen mit geringerem Einkommen genau die gleichen Rechte wie Wohlhabende.

Echte Climate-Justice.