9. April 2019

Rheingau

Bei der üblichen Smalltalk-Frage: „Und wo fahrt ihr dieses Jahr hin?“, erntete ich mitleidige Blicke, als ich letzten Sommer antwortete: „Wir machen Radurlaub im Rheingau.“ Der Rheingau ist ca. eine Stunde von uns entfernt und wird daher von den meisten Frankfurtern nicht als Urlaubsziel gesehen. Ausserdem gibt sich die Region tatsächlich wenig Mühe, beim Gast Urlaubsgefühle zu erzeugen. Schade, denn der Rheingau hat viel mehr zu bieten als nur seinen Wein. 

 

Eine Herausforderung war es, Locations zu finden, die man 

a) mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen konnte (im Rheingau wird viel Auto gefahren, deshalb sind die Anbindungen nicht ideal)

b)  Fahrradrouten zu finden, die für Kinder nicht zu schwer zu fahren sind 

c) Orte zu finden, die auch für Kinder interessant sind 

 

Hier habe ich einige Ausflugsziele gesammelt, die mit dem Rad erreichbar und für Kids interessant sind. Sie schonen nicht nur das CO2-Budget, sondern auch die Urlaubskasse.

 

Rettbergsaue – Schierstein/Wiesbaden

Naturschutzgebiet Rettbergsaue
Naturschutzgebiet Rettbergsaue

Die Rettbergsaue ist eine kleine Wiesbadener Insel, die unter Naturschutz steht. Auf der Insel gibt es daher keinen Straßenverkehr und sie ist auch nur über eine kleine Fähre vom Biebricher und vom Schiersteiner Hafen zu erreichen. Man darf zwar auf die Fähre keine Fahrräder mitnehmen, aber das ist nicht schlimm, denn die Insel ist sehr überschaubar. 

 

Auf der Rettbergsaue befinden sich ein schöner Spielplatz, ein kleines Restaurant und an einer seichten Stelle ein kleiner Strand, der für Kinder geeignet ist. Außerdem darf dort kostenlos gecampt werden, wenn dies 3 Tage vorher angemeldet wird. 

Duschen und WCs sind vor Ort und sogar Grills können ausgeliehen werden. Grillgut und Kohle müssen dann natürlich selbst mitgebracht werden. Der Eintritt zur Rettbergsaue ist kostenlos, es müssen lediglich die Tickets für die Fähre bezahlt werden. Am Schiersteiner Hafen, direkt an der Anlegestelle der Fähre „Tamara“, ist übrigens eine leckere Eisdiele zu finden. 
 

https://www.wiesbaden.de/microsite/mattiaqua/freizeiteinrichtungen/rettbergsauen/

http://www.volker-reitz.de/tamara/
http://www.eiscafeveneziamattiuz.com/tedesco/

 

Rüdesheim: Uferpromenade – Asbach Bad – Seilbahn 

Die Rüdesheimer Uferpromenade erreicht man vom Schiersteiner Hafen aus mit dem Rad (ca. 23 km, immer am Rhein entlang) oder mit der Regionalbahn (23 Minuten Fahrtzeit vom Bahnhof „Wiesbaden-Schierstein“). Die Rüdesheimer Uferpromenade ist ideal zum picknicken: es gibt einen großen Spielplatz für die Kleinen und in unmittelbarer Nähe befindet sich ein Freibad, das „Asbach Bad“.

Ein absolutes Touristen-Must-See in Rüdesheim ist die Seilbahn zum Niederwald Denkmal. Elvis hat hier sogar schon gesungen – auch wenn er nie in Rüdesheim gewesen ist (achtet auf den schlecht geposteten Hintergrund). Oben erwartet den Reisenden dann die Germania. Das imposante Denkmal soll an die Einigung Deutschlands 1871 erinnern. Der Blick von oben auf den Rhein ist auf jeden Fall Insta-tauglich. 

Blick vom Niederwald Denkmal
Blick vom Niederwald Denkmal

Kinder und Jugendfarm am Elsterbach, Oestrich-Winkel

Die Kinder und Jugendfarm ist ein ganz entspannter Ort für Kinder. Sie liegt direkt an einem kleinen Bach, wo auch gespielt werden kann. Die Betreuer vor Ort sind sehr nett und engagiert. Spielzeuge können ausgeliehen werden und es gibt viele Angebote für die Kleinen, z.B. eine Villa-Kunterbunt, Lagerfeuer, am Bach waten und reichlich Grünfläche zum Toben. Der Eintritt ist kostenlos, es wird aber um eine kleine Spende gebeten. Einziges Manko ist der Lärm: die Farm liegt in der Nähe der Bahn-Schienen und regelmäßig donnern dann die Züge vorbei. Ein Problem, das man im Rheingau in Ufernähe übrigens fast immer hat.

 

Als ich auf der Jugendfarm anderen Eltern von unserer Challenge („Rheingau ohne Auto“) erzählte, verstanden viele erstmal nicht, wie es sein kann, dass eine Familie kein Auto hat. Sie fanden das so irritierend, dass sie mich überhaupt nicht ernst nahmen und mir ständig Ausflugsziele empfahlen, die man eben nur mit dem Auto erreichen kann. Deshalb liebe Rheingauer: bitte überlegt Euch etwas mit eurem Nahverkehr. Baut ihn aus. Ihr seid total auf das Auto angewiesen. 

Bingen: Spielplatz Rheinlandschaften

Wir wollten wissen, wie es auf der anderen Rheinseite aussieht und haben herausgefunden, dass es in Bingen einen tollen Wasserspielplatz gibt. Von Rüdesheim aus sind wir mit unseren Fahrrädern auf die Autofähre gefahren. Von der Bingener-Fährstation ist man sehr schnell (ca. 10 Minuten mit den Fahrrad) am Spielplatz. Der Spielplatz befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen rheinland-pfälzischen Landesgartenschau und am Fuße des „Mäuseturms“. Die Parkanlage bietet für Kinder einen riesigen Abenteuerspielplatz und für Jugendliche z.B. eine Skateanlage und einen Sand-und Sportplatz. Der Eintritt ist frei.

https://park-am-mäuseturm.info

Mit dem Schiff zur Loreley 

St. Goarshausen
St. Goarshausen

Eine weitere Ausflugsidee ist eine Schifffahrt von Rüdesheim zur Loreley. Es ist eine sehr schöne Strecke und man ist beeindruckt von der Menge an Burgen, die man dabei sieht. (Weltrekord übrigens: nirgends gibt es so viele Burgen auf so engem Raum, wie hier

Als wir endlich den Loreleyfelsen erreichten, kam aus dem Lautsprecher die Loreley von Heine in einer Opernversion. Das ist ja schon etwas altbacken. Vielleicht wäre es mal eine gute Idee, sich hier etwas Neues einfallen zu lassen. Wir stiegen mit unseren Rädern in St. Goarshausen aus und wollten uns dort umschauen. Es gab aber wirklich keine Attraktion, außer oben auf dem Loreleyfelsen. Meine Kinder waren jedoch schon platt und so sind wir einfach unten geblieben. Wir hätten vielleicht besser gegenüber in St. Goar aussteigen sollen. Dort gibt es einen Campingplatz direkt am Wasser und überhaupt sah es aus, als ob dort viel mehr los wäre. St. Goarshausen ist ein bisschen öde und die Häuser könnten mal wieder einen frischen Anstrich gebrauchen. Auch der Bahnhof könnte eine Renovierung vertragen. Aber das gilt allgemein für den Rheingau, die Bahnhöfe sind zum Teil in einem erbärmlichen Zustand.

 

Die „RheingauLinie“ die zwischen Frankfurt und Koblenz fährt ist jedoch ein gutes Transportmittel, um den Rheingau zu erkunden. Im Zug dürfen auch Fahrräder mitgenommen werden. So gibt es die Möglichkeit, falls die Kinder vom Radfahren müde werden, in die Bahn einzusteigen und zum nächsten Ort zu fahren. Auf der Seite der RheingauLinie gibt es auch jede Menge Ausflugstipps entlang des Rheins: http://rheingaulinie.de