02. August 2019

Lebensmittel retten und Geld sparen

too good to go

Was passiert eigentlich mit den Lebensmitteln von Hotelbuffets, Bäckereien oder Bistros, die nicht an Kunden verkauft werden? Da die "Tafeln" nur unverarbeitete Lebensmittel annehmen dürfen, landet alles andere einfach im Müll.

 

Oder bei "Too Good To Go".

 

Das ist eine App, mit der Unternehmen, die Lebensmittel verarbeiten, Abnehmer für übrig gebliebenes Essen finden können.

 

Über unser Verhältnis zu immer verfügbaren Essen sollten wir eigentlich häufiger nachdenken. Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Laut einer Studie der Universität Stuttgart sind die größten Verschwender die Privathaushalte mit 61 Prozent, gefolgt von Großverbrauchern wie Gaststätten und Kantinen sowie dem Handel (jeweils rund 17 Prozent). Genauso erschreckend fand ich die Tatsache, dass weltweit die Lebensmittelverschwendung für 3,3 Gigatonnen (das sind 3300 000 000 000 kg) CO2-Emissionen verantwortlich ist

Wäre die weltweite Lebensmittelverschwendung ein Land, würde es in einem Ranking der CO2-Emittenten auf Platz drei nach den USA und China landen. 

Will man sein Klima-Budget in den Griff bekommen, muss man sich daher auch damit auseinandersetzen, wie man die Verschwendung von Lebensmitteln reduzieren kann.
Eine Idee dazu ist die App "Too Good To Go" aus Dänemark, die ich vor kurzem ausprobiert habe. 

Wie funktioniert “Too Good To Go“?

 

Kurz vor Ladenschluss bieten Unternehmen das Essen, das sie nicht an Kunden verkaufen konnten, auf "Too Good to Go" an. Die User der App können dieses Essen dann für sehr wenig Geld kaufen.

Eine typische Portion kostet je nach Anbieter ca. 3,50 € und ich war überrascht, wie viele Geschäfte in meinem näheren Umfeld dabei waren.

Die App kann kostenlos über die App-Store heruntergeladen werden. Die Bezahlung für das Essen erfolgt über Kreditkarte. Wann die Ware abgeholt werden kann ist unterschiedlich. In der Regel natürlich kurz vor Feierabend. Die App ist so sortiert, dass man schnell einen Überblick über die verschiedenen Abholzeiten, Lebensmittelarten und Entfernungen zum eigenen Standort bekommt. 

Natürlich kann man bei den Händlern nur das kaufen, was auch zubereitet wurde. Was am Ende in der Tüte landet, ist daher eine Überraschung. Allerdings beschreiben die einzelnen Anbieter in der App, was man in etwa erwarten kann (Reste vom Frühstücksbüffet, Fischbrötchen, Milchprodukte kurz vor dem Ablaufdatum usw.)

Try-Days mit der App

 

Bislang habe ich sechsmal bei “Too Good To Go“ einkauft. Wenn man sich, wie ich, dabei auf Unternehmen beschränkt, die man bereits kennt und mag, macht man eigentlich nur positive Erfahrungen.

Besonders krass war die Überraschungstüte bei der französischen Bäckerei unseres Viertels: 

Für 3,50 € hatte ich 6 Baguettes, 10 Brötchen, zwei süße Teilchen und zwei Ziegenkäsesandwiches (die übrigens sehr, sehr lecker schmeckten). Wenn ich dort ganz normal eingekauft hätte, hätte ich insgesamt mehr als 20 € für alles gezahlt. Wir konnten so viel natürlich nicht gleich aufessen. Einige Baguettes habe ich eingefroren und einige verschenkt, da wir einfach viel zu viel hatten. Am nächsten Morgen haben wir die Brötchen aufgebacken und uns somit den Gang zum Bäcker gespart. 

 

Fazit 

Als Kauferlebnis fand ich "Too Good To Go" sehr aufregend, da man nicht weiß, was man tatsächlich bekommt. Alle Lebensmittel waren einwandfrei und haben sehr gut geschmeckt und absurd wenig gekostet. Gutes Tun und Geld sparen - besser geht es eigentlich nicht! 

Die festgelegten Abholzeiten bei den meisten Anbietern fand ich unproblematisch. 

Einziger Nachteil ist die späte Abholzeit bei Restaurants (meistens ab 21:30 Uhr und sogar noch später). Das ist für Leute gut, die lange arbeiten oder ganz spät noch zu Abend essen. Für Familien mit kleinen Kindern fällt diese Option eher weg. 

Die App ist gut gemacht und insgesamt alltagstauglich. Die Auswahl in Frankfurt ist zum Beispiel groß genug. Ich überlege sogar schon, einmal eine Party nur mit Essen von To good to go-Anbietern zu schmeißen. 
Hoffentlich machen in Zukunft noch mehr Betriebe mit, damit mein Buffet dann großartig wird.
Unbedingt ausprobieren!