hallo, ich bin

Jet

Mein Name ist Georgette Carbonilla - alle nennen mich "Jet". Wie der Flieger. Allerdings habe ich wegen meiner Klimabilanz seit 2008 kein Flugzeug mehr betreten. Auch auf ein eigenes Auto verzichte ich seit 2008, es gibt ja zum Glück Alternativen wie das Fahrrad oder Carsharing. 

 

Warum ich das mache? Weil es leider sein muss.

 

Fakt ist: Wir leben zusammen mit 7,6 Milliarden Menschen auf dieser Welt – jeder mit dem gleichem Klima-Budget und dem gleichen Recht auf einen Anteil an den  Ressourcen. Um das Zwei-Grad Klimaziel zu erreichen, dürfte jeder Mensch auf der Erde nur noch ca. 2,7 Tonnen CO2 jährlich verursachen. Die durchnittliche jährliche CO2-Bilanz eines Deutschen liegt bei 11,61 Tonnen. Meine persönliche CO2-Bilanz lag 2018 bei 5,77 Tonnen (über den Umweltbundesamt-CO2-Rechner ermittelt) - enttäuschend, ich dachte nämlich es wäre weniger. Echte Klima-Gerechtigkeit erreichen wir meiner Ansicht nach nur mit einem festgelegten Klima-Budget für jeden Menschen.

 

Ich gebe zu, es ist nicht leicht klimakorrekt zu leben - sowohl im privaten, im beruflichen als auch im sozialen Alltag. Ich werde z.B. zum echten Partykiller, sobald ich mich als „nicht Flieger“ oute: "Nein, ich habe keine Flugangst. Ich mache das aus ökologischen Gründen" ist dann meine Antwort, bei der ich dann sicher sein kann, dass viele sich provoziert fühlen.

 

Früher habe ich mir keine Gedanken über Umweltthemen gemacht, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ich informierte mich mehr über die Welt, das Klima, die Sweatshops, Palmöl, Überbevölkerung, die Ozeane  – wissen und dann nicht handeln geht einfach nicht. 

 

Als der Taifun Haiyan 2013 über die Philippinen, mein Herkunftsland, fegte, machte mich die Gleichgültigkeit des Westens wütend. Es war unglaublich, dass gebildete Menschen sich tatsächlich damals fragten, ob ein solcher Sturm wie Haiyan etwas mit der Klimaerwärmung zu tun haben könnte. Auch der Appell an die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz 2013 und der darauffolgende Hungerstreik des philippinischen Delegierten Nadarev "Yeb" Sano verpuffte im Nichts.

 

Es ist stimmt, dass Politiker und alle möglichen Verantwortlichen auf dieser Welt die Rahmenbedingungen für eine vernünftige Klimapolitik setzen müssen. Aber ich finde, es ist sehr bequem, alles auf die Politik zu schieben während wir unseren nächsten Urlaub planen, um dort erst mal einen Beach-Clean-Up zu machen.

 

Es fiel mir gar nicht so schwer, mein eigenes Konsumverhalten mit Blick auf ein begrenztes Klima-Budget umzustellen. Vieles macht sogar sehr viel Spaß und erweiterte meinen Horizont mehr als irgendeine Fernreise es jemals schaffen würde.